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In dieser Übersicht finden Sie alle Gemeinden / Ortschaften die zur Pfarrei Hl. Anna in Kirchheimbolanden gehören.

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Kirche Mariä Geburt

Geschichte des Katholischen Kirchenneubaues

Die Katholiken von Bolanden gehörten, wie die Protestanten, durch das ganze 18. und 19. Jahrhundert zur Kirchengemeinde Kirchheimbolanden. Auf Seiten der Katholiken sah man keine Möglichkeit zu einem eigenen Gotteshaus zu kommen. Im Vergleich zu den etwa 800 Protestanten gab es nämlich nur rund 300 Katholiken. Sie waren mit materiellen Gütern auch wenig ausgestattet. Der pensionierte Hauptlehrer Jakob Klag, der den Lebensabend in seinem Geburtsort Bolanden zu verbringen gedachte (t 1924) regte an, einen Kirchbauverein zu gründen. Der damalige Pfarrer von Kirchheimbolanden, Geistlicher Rat Jakob Peter, griff den Gedanken sofort auf und im Jahre 1911 kam es zur Gründung des Vereins. Der Verein sollte die Katholiken der Dörfer Bolanden und Marnheim umfassen, für die ja die zukünftige Kirche bestimmt war. Nun ging es ans Sammeln. Durch einige großzügige und viele kleine Spenden, sowie durch die Unterstützung von Seiten des Bonifatiusvereins, des Ludwig Missionsvereins und den Beiträgen der Mitglieder war das Guthaben bis zum Jahre 1920 auf30.000 Mark gestiegen. Am 1. Dezember 1923 kam die Inflation und der Kirchbauverein stand vor dem Nichts. Alle aufgebrachte Mühe und Arbeit, alle Opfer waren umsonst gewesen. Das Geld hatte seinen Wert verloren.

Drei Jahre später nahm der Kirchbauverein unter Pfarrer A. Stadtmüller seine Tätigkeit mit Eifer wieder auf. Durch erneute Spendenbereitschaft und etlichen Aktivitäten, z. B. Theateraufführungen u. v. m, war das Baukapital bis Ende 1928 auf 12.000 Mark gestiegen. Bereits im Jahre 1924 war, um dem Ganzen eine rechtliche Grundlage zu schaffen, eine Kirchenstiftung gegründet und ministeriell genehmigt worden. Ebenfalls 1924 hatten der Landwirt Franz Görtz und seine Ehefrau Helene, geb. Ostermayer der Kirchengemeinde einen schönen Bauplatz von 0,30 ha geschenkt Im Jahre 1928 wurde der Platz durch Zukauf eines Nachbargrundstückes um 0,18 ha vergrößert, so dass er bequem für die Kirche, Pfarrhaus und Garten ausreichte. In der Generalversammlung vom 10. Juli 1927 war der Beschluss gefasst worden, einen Kredit von 10.000 Mark aufzunehmen und mit dem vorhandenen Kapital von 20.000 Mark vorerst den Rohbau zu erstellen, als die Nachricht aus Speyer kam, dass der Bischof einen größeren Betrag aus der Diözesansteuer zur Verfügung stelle. Aus den von verschiedenen Architekten eingereichten Skizzen wurden vom Bischöflichen Ordinariat, der Regierung sowie der Kirchenverwaltung die Vorschläge der Architekten Höllriegel und Renner aus Kirchheimbolanden angenommen und durch die Regierungsentschließung vom 28. Mai 1929 genehmigt. Sofort ging es nun an die Ausführung. Am 22. Juli 1929 erfolgte im Beisein der gesamten Kirchenverwaltung und vieler Katholiken von Bolanden der erste Spatenstich. Bereits am 25. August war der Bau so weit gediehen, dass der Grundstein gelegt werden konnte. Eigens zu diesem Anlass reiste Bischof Dr. Ludwig Sebastian aus Speyer an, um die Weihe selbst vorzunehmen. In der Nähe des Weierhofes wurde er feierlich empfangen und von festlich geschmückten Reitern und Radfahrern ins Dorf geleitet. Nach einem kurzen Aufenthalt im Katholischen Schulhaus zog man in feierlicher Prozession hinauf zum Bauplatz. Voraus ging die Gesellenvereinskapelle Kirchheimbolanden, die Schuljugend mit Fähnchen, dann folgte der Cäcilienverein Kirchheimbolanden, die Geistlichkeit der Gegend mit dem Oberhirten, die beiden Kirchenverwaltungen von Bolanden und Kirchheimbolanden, der Gemeinderat und viele Leute aus der Bevölkerung. Die Begrüßung am Bauplatz wurde zuerst von einem Bolander Mädchen in poetischer Form, hierauf durch den Ortspfarrer A. J. Stadtmüller vorgenommen. Nach einigen Liedern und Musikvorträgen segnete der Bischof den Bauplatz und hielt die Predigt, die das Tagesevangelium zur Grundlage hatte: „Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, das übrige wird Euch hinzu gegeben.“ Zum Schluss wurde allen am Bau Beteiligten herzlich gedankt, der Ortspfarrer verlas die Urkunde, diese wurde in den Grundstein gelegt und zugemauert. An dem üblichen dreimaligen Hammerschlag beteiligten sich seine Bischöflichen Gnaden, die gesamte Geistlichkeit, die Beamten, Architekten, die Arbeiter und fast alle Anwesenden. Die Urkunde hat folgenden Wortlaut:

Im Namen der Allerheiligsten und ungeteilten Dreifaltigkeit Amen. Im Jahre des Herrn 1929, am 25. Tage des Monats August, dem 14. Sonntage nach Pfingsten, am Feste des Heiligen Ludwig, unter dem glorreichen Pontifikat S. Heiligkeit des Papstes Pius XI. hat Herr Dr. Ludwig Sebastian, Bischof von Speyer, den Grundstein dieser der ehemaligen Klosterkirche zur Ehre der Allerseligstenjungfrau und Gottesmutter Maria, sub titula de Nativitate, zu erbauenden und für die Filialen Bolanden und Marnheim bestimmten Kirche, feierlich geweiht und im Glauben Jesu Christi und zugleich mit den unterschriebenen Zeugen und allen Pfarrkindern gesetzt und eingefügt in diesem Fundament im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Der Herr gewähre auf die Fürsprache der Allerseligstenjungfrau und Gottesmutter Maria, dass alle, die zum Bau dieser Kirche Hilfe leisten, Wohlfahrt des Leibes und der Seele erlangen. Es werde dieses Haus allen, die fromm und andächtig es betreten, eine Zuflucht des Heils und einer Stätte der göttlichen Gnade. Amen.

Bolanden, den 25. August 1929. L. S.

Unterschrieben haben: Dr. Ludwig Sebastian, Bischof von Speyer; August J. Stadtmüller, Pfarrer in Kirchheimbolanden; Jakob Schwalb, Dekan und Pfarrer in Göllheim; Eduard Heinrich, Pfarrer in Zell; Karl Rub, Pfarrer in Weitersweiler; Heinrich Anslinger, Pfarrer in Kriegsfeld; Hermann Wittmer, Domvikar; Bischöflicher Sekretär Jakob Langenstein, Kaplan in Kirchheimbolanden; Karl Renner, Stadtbaumeister in Kirchheimbolanden; Kilian Höllriegel, Architekt in Kirchheimbolanden; Philipp Eberle, Lehrer in Bolanden; Peter Seel, Bürgermeister in Bolanden; Luitpold Burgey; Jakob Giro; Franz Görtz; Heinrich Hartmann; Rudolf Klag; Peter Lauer; Hugo Schill, alle Kirchenverwalter; Jakob Kroneberger und Peter Schäfer, Maurermeister.

Die Arbeiten am Bau schritten rasch voran. Mitte Oktober war das Mauerwerk vollendet. Anfang November schlug der Zimmermann das Gebälk auf. Durch die günstige Witterung des Sommers brachte man die Kirche vollständig trocken unter Dach. Im Winter ruhte die Arbeit, Ende März ging es an den Innenausbau. Den ganzen Sommer über herrschte rege Tätigkeit, denn der Tag der Einweihung war auf den 12. Oktober 1930 festgesetzt und die Katholiken von Bolanden sahen mit freudiger Erwartung dem Tage entgegen, an dem ihre neue Kirche durch den Segen des Bischofs die Weihe empfängt und das ewige Licht in der Gemeinde wieder angezündet wird, nachdem es 400 Jahre erloschen war.

Eines Mannes gilt es noch zu gedenken, dem Architekten Kilian Höllriegel, dem Verfertiger der Baupläne und eifrigen Förderer des Baues. Er verunglückte tödlich am 30. Mai 1930 auf dem Weg zur Baustelle mit seinem Motorrad. Die Katholiken von Bolanden werden ihm ein ehrendes Gedenken bewahren.

Baubeschreibung

Die Katholische Kirche in Bolanden liegt gegenüber der ehemaligen Burg Bolanden auf einer Anhöhe, dem Weitersberg, an der Straße nach Marnheim, das breit gelagerte Ortsbild beschließend und beherrschend. Die Gesamtlänge, einschließlich Chor und Vorbau, beträgt 28,65 m. Davon entfallen auf den Chor 4,90 m, das Schiff 21,65 m, den Vorbau 2,10 m. Der Turm über der Empore schließt mit einem breiten Satteldach ab. Die Sakristei, gegen Südost gelegen, hat eine Bodenfläche von 20 m2. Als Bodenbelag für Schiff und Chor wurden Sollnhofer Platten verwendet, für das Schiff wurden bruchrauhe, für den Chor feingeschliffene gewählt. Die Fundamente und Außenmauern sind in Bruchsteinen aus dem Bolander Steinbruch, Fensterbänke und Portal aus Schweißweilerer Sandstein gefertigt. Die äußeren Sockelflächen sind verfugt, die übrigen Wandflächen verputzt. Die Dachstuhlkonstruktion (Satteldach mit Hängewerk) ist in Schwarzwälder Holz ausgeführt, das Dach ist mit Biberschwanzplatten gedeckt. Das Dachgesims ist betoniert. Eine Blitzableiteranlage ist vorhanden. Die Haupteingangs-, Chor- und Altarstufen sind in Kunststein ausgeführt. Die Türen aus Eichenholz haben Kunstschmiedebeschläge. Die sichtbaren Deckenbalken sind dunkel gestrichen, die Decken und Wandflächen in einem hellen Ton getüncht. Der Hauptaltar und die beiden Seitenaltäre sind ganz aus Königsbacher Sandstein. Die Ausführung ist schlicht und einfach, aber recht wirkungsvoll. Die Altarmensen ruhen auf einem breiten Sockel in der Mitte und auf acht, bzw. je vier kleinen Säulen an den Ecken. Der Tabernakel ist aus Eisen gepanzert, die beiden Flügeltüren in kunstgeschmiedetem Eisen ornamentiert (Ähre, Traube) und vergoldet, das Innere mit Seide ausgeschlagen. Die Fenster des Schiffes sind in verschiedenfarbigem, unregelmäßigem Antikglas hergestellt, die Chorfenster ebenso, aber mit figürlichen Darstellungen aus dem Leben Mariä (Maria mit dem Jesuskind, Maria Verkündigung, Flucht nach Ägypten, Wiederfinden im Tempel). Für die Ausführung wurde eine Technik („Wischen“) gewählt, die Leben in die Farben hineinbringt. Alle Fenster sind von Wohltätern der Kirche gestiftet. Im Jahre 1951 wurde von der Göttinger Firma Paul Otto eine Orgel mit 10 Registern eingebaut. Die Firma AKO Kißlegg installierte 1963 eine elektrische Bankheizung. 1964 bekam die Kirche drei neue Glocken, alle Stahl, vom Bochumer Verein gegossen.

Im Jahre 1961 wurde ein Pfarrhaus gebaut, Richtfest war am 18. Oktober. Der Standort ist direkt hinter der Kirche in der Längsachse zum Kirchengebäude. Nachdem der letzte Kurator von Bolanden in den Ruhestand ging, stand das Pfarrhaus einige Zeit leer, heute ist es an Privatleute vermietet.

Quelle: Kath. Pfarramt Kirchheimbolanden, Pfarrarchiv
(Nach Remling, 6. Band, Baudenkmale in der Pfalz)

Anfahrt

Kirche Mariä Geburt Bolanden

Weitersweiler Weg 3
67295 Bolanden
Deutschland

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